Stadt Zittau - Bürgerinformationsportal Beschluss zum Fortbestand der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz

Betreff
Beschluss zum Fortbestand der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz
Vorlage
126/2011
Art
Beschlussvorlage

Zittau kann bereits auf eine lange Tradition in Bildung und Wissenschaft zurückblicken. Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Gründung der königlich-sächsischen Gewerbeschule die höhere Bildung in der Stadt. Der gute Ruf der Bauausbildung geht zurück auf  den Schinkel-Schüler und Stadtbaumeister Carl August Schramm und die im Jahr 1840 eröffnete Baugewerke­schule, die er viele Jahre leitete. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Bildungsstandort in der Euroregion Neiße entwickelt.

 

Die Hochschule Zittau/Görlitz ist gemeinsam mit dem Internationalen Hochschulinstitut Zittau wissenschaftlich-geistiges Zentrum der Region  sowie einer der wichtigsten Standortfaktoren und größten Arbeitgeber in Zittau. Beide Hochschuleinrichtungen fungieren nicht nur als Ausbil­dungs- und Forschungsstätten, sondern auch als Institutionen der Wirtschaftsförderung. Ihre dynamische Weiterentwicklung ist entscheidend für die positive Entwicklung unserer Stadt und der gesamten Region. Das Bestreben der Hochschule, vor allem Forschungs- und Kooperations­partner für Wirtschaft und Stadt zu sein, verstärkt ihre regionale Wirksamkeit. Das Vorhanden­sein der Hochschule ist auch für zahlreiche Investoren ein gewichtiger Grund, sich in Zittau oder der näheren Umgebung anzusiedeln.

Besonders deutlich wird die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und der regionalen Wirt­schaft durch zahlreiche Projekte, an denen Hochschullehrer und Studierende aktiv mitgearbeitet haben. Für eine historische Stadt mit so wertvoller Bausubstanz wie Zittau und einer ländlichen Region mit einem einmaligen Baustil (Umgebindebauweise) ist gerade das Potenzial der Fakultät Bauwesen von unschätzbarem Wert. Das Informationszentrum Umgebindehaus wurde im Som­mer 2003 von Mitarbeitern der Fakultät Bauwesen der Zittauer Hochschule als Beitrag zum Erhalt der einzigartigen Umgebindehauslandschaft gegründet. Sowohl die Stadt Zittau als auch die städtischen Unternehmen pflegen seit vielen Jahren einen intensiven Kontakt zu dieser Fakultät. Im Rahmen von Diplom-, Praktikums- und Belegarbeiten wurden verschiedenste aktuelle Themen bearbeitet, so beispielsweise:

- die Erarbeitung einer Handreichung für sanierungswillige Eigentümer von Gebäuden in Zittau    zur Sensibilisierung für denkmalpflegerische, energiepolitische und regional-historische Gege­benheiten (Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft mbH),

- die Datenerfassung und –auswertung für die Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungs­konzeptes und des Sportstättenkonzeptes für die Stadt Zittau (Zittauer Stadtentwicklungsgesell­schaft mbH),

- die Bearbeitung des Forschungsprojektes „energetisch vorbildhafte Sanierung von Wohngebäuden“ am Beispiel des Gebäudes Bautzner Straße 11 (Wohnungsbau GmbH Zittau),

- die Erarbeitung eines Sanierungsvorschlages für die Neißebrücke in Zittaus Ortschaft Hirsch­felde /Rosenthal (Stadtverwaltung Zittau),

- die Untersuchung des Löbauer Platzes und Erarbeitung eines Lösungsvorschlages für die Ver­kehrsführung mittels Kreisverkehr (Stadtverwaltung Zittau),

- die Bearbeitung eines studentischen Projektes zu den Vorlaubenhäusern in Zittaus Ortschaft    Hirschfelde (Stadtverwaltung Zittau),

- die Analyse von Gemeinbedarfsflächen in den neuen Ortsteilen als Grundlage für die Erarbei­tung eines Flächennutzungsplanes,

- die Semesterarbeit studentischer Arbeitsgruppen zur Neugestaltung des Zittauer Marktes.

(Die Aufzählung der gemeinsamen Projekte ist nur ein Auszug.)

 

Nationale und internationale wissenschaftliche Konferenzen an unserer Hochschule rücken die Stadt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und erhöhen den Bekanntheitsgrad dieser. Bei Veranstaltungen der Fakultät Bauwesen, wie der Nationalen Tagung für Ingenieurgeologie 2009, den regelmäßigen Energietechnischen Symposien und den Workshops „Energieeffiziente Schulsanierung“, trafen sich Vertreter aus Wissenschaft und Praxis in Zittau. Aber auch durch die Ausschreibung des Heinrich-Tessenow-Zeichenwettbewerbes der sächsischen Gymnasien ist die Fakultät Bauwesen für die Förderung junger Menschen aktiv.

 

Das bereits über Jahre anhaltende Interesse junger Menschen an einem Studium in Zittau ist ein Zeichen der hier geleisteten hervorragenden Arbeit. Ein Gradmesser für die hervorragende Aus­bildung in den Studiengängen der Fakultät Bauwesen an der Zittauer Hochschule sind zahlreiche Preise, die Studierende und Absolventen aus Zittau in den vergangenen Jahren erringen konnten. Auch das mit der Fakultät verbundene Institut für Bauwesen e.V. vergibt selbst jedes Jahr den Carl-August-Schramm-Preis. Die Immatrikulationszahlen in Zittau entwickelten sich trotz vor­hergesagten Rückgangs der Anzahl an Studienbewerbern weiterhin steigend. Gründe hierfür sind neben der hohen Qualität der Ausbildung und den hervorragenden Studienbedingungen auch die Heimatverbundenheit der jungen Menschen in unserer Region. Die Vielfältigkeit der Ausbil­dungsmöglichkeiten an der Zittauer Hochschule ermöglicht es, dass viele Jugendliche quasi zu Hause ein sie interessierendes Studienfach belegen können und nach erfolgreichem Abschluss gern in Unternehmen der Region eine Tätigkeit aufnehmen. Die Schließung der Fakultät Bauwe­sen würde dem entgegenwirken. und eine weitere Abwanderung junger Menschen herbeiführen. Für Unternehmer der Baubranche erschwert sich die Suche nach dringend benötigten Fachkräften damit wesentlich.

 

Die mit der Schließung der Fakultät Bauwesen ausgelöste Entwicklung widerspricht den Zielen des Landesentwicklungsplanes Sachsen 2003, wonach die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft in allen Teilräumen zu erhöhen ist (G 2.1.1) und die Entwicklung des Freistaates Sachsen insbeson­dere durch die Stärkung der Ober- und Mittelzentren als Wirtschaftsstandorte getragen werden soll (G 2.1.2).

 

Die in Zittau lebenden Studierenden, darunter auch zahlreiche ausländische aus aller Welt, ver­helfen der historischen und bereits heute zu Überalterung neigenden Stadt Zittau zu einem welt­offenen und jugendlichen Flair.

 

Mit der Einrichtung des neuen Campus, direkt angrenzend an das Stadtzentrum, konnte das Gesamtbild der Stadt wesentlich aufgewertet werden. Gleichzeitig ist diese Umnutzung einer ehemaligen Industriebrache ein direkter Beitrag zur Stadtsanierung und bildet eine ganz entschei­dende Voraussetzung für die Konzentration des gesellschaftlichen Lebens in Zittaus historischer Innenstadt. Auf dem Campusgelände sind auch die Labor- und Lehrräume des Studienganges Architektur beheimatet.

 

Die genannten Gründe veranlassen den Oberbürgermeister, gemeinsam mit allen Fraktionen des Stadtrates der Großen Kreisstadt Zittau (CDU, Die LINKE., Freie Bürger Zittau, FDP/FuW, SPD/Bündnis 90/Die Grünen), mit der Forderung an das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst heranzutreten, die im Entwurf des sächsischen Hochschulentwicklungs­planes verankerte Auflösung der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz nochmals zu überdenken und dabei nicht nur die zukunftsfähige Entwicklung der sächsischen Hochschul­landschaft, sondern auch die der strukturschwachen Region im südlichen Landkreis Görlitz im Auge zu haben. Außerdem bitten sie die Landtagsabgeordneten des Landkreises Görlitz, sich ebenso für den Erhalt der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz einzusetzen.

keine

Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Zittau fordert das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst auf, die im Entwurf des sächsischen Hochschulentwicklungsplanes verankerte Auflösung der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz nochmals zu überdenken. Für die Stadt Zittau und die ohnehin strukturschwache Region im Süden des Landkreises Görlitz ist es nicht hinnehmbar, dass die geplante Neuordnung der sächsischen Hochschullandschaft mit einer Schwächung ihres Hochschulstandortes einhergeht. Die Hochschule Zittau/Görlitz ist für eine positive Entwicklung der Stadt sowie der gesamten Region zwingend erforderlich und daher in ihrer Struktur und Substanz sowie der Anzahl der Studierenden zu erhalten. Dazu bedarf es auch der Fakultät Bauwesen mit all ihren derzeit angebotenen Studiengängen.

Der Stadtrat der Großen Kreisstadt Zittau bittet außerdem die Landtagsabgeordneten der demokratischen Parteien des Landkreises Görlitz, sich ebenso für den Erhalt der Fakultät Bauwesen an der Hochschule Zittau/Görlitz einzusetzen.

Finanzielle Auswirkungen:

 

veranschlagt unter HH-Stelle

keine

Belastungen im laufenden Jahr

keine

Belastungen der Folgejahre

keine